Hilferuf per Handzeichen

Anlässlich des „Internationalen Tages NEIN gegen Gewalt an Frauen“ möchten wir auf ein Handzeichen bei häuslicher Gewalt aufmerksam machen. Häufig ist es den Betroffenen gar nicht möglich, Hilfe zu holen, nicht einmal per Telefon. Oftmals wird jeder Schritt und Tritt verfolgt, Telefongespräche belauscht, Text-Nachrichten kontrolliert.

Mit der kleinen, scheinbar unauffälligen Gesten können Frauen nun still um Hilfe rufen und auf häusliche Gewalt aufmerksam machen.

Handzeichen bei Gewalt

1. Heben Sie Ihre Hand senkrecht, sodass Ihr Gegenüber Ihre Handfläche sehen kann.

2. Knicken Sie Ihren Daumen ein. Er liegt nun in der Handinnenfläche.

3. Legen Sie die restlichen Finger der Hand langsam über den Daumen, sodass eine Faust entsteht.

Die diskrete Einhandgeste kann dann genutzt werden, wenn die Betroffene um Hilfe bitten möchte, aber gerade nicht laut sprechen kann, weil die Person in der Nähe ist, von der die Gewalt ausgeht, oder auch, wenn es ihr unangenehm ist, darüber zu sprechen.

Die kanadische Organisation Canadian Women’s Foundation hat das Handzeichen („Signal for Help“) ins Leben gerufen hat.

Das auf der Seite von der Women’s Foundation verlinkte Video gibt es hier mit deutschen Untertiteln:

Wenn Betroffenen z.B. in einem Videocall das Handzeichen machen, ist es für das Gegenüber wichtig, sowohl umgehend als auch bedacht zu handeln, um sie nicht weiter oder noch mehr zu gefährden.

Das Signal bedeutet nämlich nicht automatisch: Ruf die 110! Die betroffene Person möchte damit vielmehr deutlich machen: Kontaktiere mich auf einem sicheren Weg! Der Notruf sollte nur gewählt werden, wenn sich jemand in unmittelbarer Gefahr befindet.

In den meisten Fällen möchte die Betroffene vielleicht einfach nur reden oder benötigt Informationen über Hilfsangebote. Hilfreich ist es, der betroffenen Person kurze Fragen zu stellen, die leicht mit „Ja“ oder „Nein“ beantwortet werden können, um sie nicht weiter zu gefährden, falls jemand zuhören sollte.

•             Soll ich den Notruf für dich wähle?

•             Möchtest Du, dass ich eine Schutzstelle in deinem Namen kontaktiere?

•             Soll ich dir Hilfsangebote heraussuchen oder Beratungsstellen, die dich zurückrufen?

Auch auf andere Kommunikationsmöglichkeiten wie Whatsapp oder E-Mail kann zurückgegriffen werden, wenn die Person, von der die Gewalt ausgeht, keinen Zugriff darauf hat und mitlesen kann.

•             Wie kann ich dich unterstützen?

•             Soll ich mich regelmäßig bei dir melden?

Die Handgeste ist eine von mehreren Möglichkeiten, wie Opfer auf sich aufmerksam machen können. Besonders bei häuslicher Gewalt ist es wichtig, dass die Betroffenen sich Hilfe holen, wenn sie sich dafür bereit fühlen und zwar auf die Art und Weise, wie es am sichersten für sie ist. Wenn sie den Mut gefasst haben, diesen ersten Schritt zu gehen, sollten ihnen gegenüber Menschen sein, die ihnen helfen – ohne Wertung oder Verurteilung. Den Takt gibt immer die Hilfesuchende an.